M a n d l w i n d / 1.0

oder

Dengeln am Morgen bringt Kummer und Sorgen

 

„Bauer?“                                   –                                           „Baaauer!!!“
Was möcht die Bruni schon wieder von mir? Schreit über den ganzen Hof, als hätt’s grad ein Ei gelegt. Dabei sitz ich am Dengelstock. Wenn sie nur ein bisserl ihr Hirn einschalten tät, fänd sie mich auch so. Auf dem Hof scheint keiner denken zu können. Außer mir. Zugegeben, so klug (und auch noch schön – eine seltene Kombination) wie ich, da kommt keiner ran. Nicht einmal die Bruni, obwohl sie den ganzen Tag rumrennt und alle mit ihren siebengescheiten, dummen Einfällen nervt. Wenn’s nach mir gegangen wär, hätt ich sie eh nicht auf den Hof genommen.

Aber ihre Mutter (ein sauberes Weibsbild – und wie´s mich angelächelt hat, mit der Figur...) hat mich vor Lichtmess so angebettelt, ob ich ihre Bruni nicht für ein, zwei Jahre bei mir als Magd verdingen könnt. Dann würd sie eh studieren gehen. Studieren? Ein Weiberleit? Was soll das groß bringen, frag ich euch. Mir ist’s wurscht, ich dengel weiter. Sonst scheint auf dem Hof dazu keiner im Stand zu sein.
„Baaauer!!!“
Jetzt schreit das Trudscherl immer noch nach mir! Ich sag nix – die soll suchen, bis sie schwarz wird. A Schand ist’s, dass ich als Moa-Bauer selber dengeln muss. Hätt ich einen guten Großknecht, wär alles ganz anders. Aber wen hab ich? Den Dammerl… Zwei Jahr muss ich den Affen als Großknecht verdingen. Warum? Wegen dem saublöden Kartenspiel.

Grad lustig war’s damals beim Wirt – und besoffen waren wir wie die Haubitzen. Da kam dem Gustl eine Idee: Er hätt einen selten dummen Knecht auf dem Hof. „Und wer heit als Verlierer rausgeht, muaß den Dammerl ab Liachtmess für zwoa Jahr als Großknecht auf’m Hof verdinga.“ Nicht fragen, wer verloren hat, und auch nicht, wie meine Alte mich an dem Tag gelobt hat. Sie hat verkündet (Ergänzung: angeschrieen hat’s mich), ich „ sei bleda wia d’Nacht finster“ und „de bledn Saufköpf vom Wirt tat i im Leb’n nimma seng“. Natürlich nehm ich mir lautstarke Anregungen meiner besseren Hälfte sehr zu Herzen und meide fortan das Wirtshaus. 

Mein blöder Großknecht der Dammerl
Mein blöder Großknecht der Dammerl

Aber zurück zum Dammerl. Einmal hab ich ihn dengeln lassen - nur einmal. Danach hatte die Sense mehr Falten als die alte Gruberin im Gesicht. Jetzt die Schneide – schaut gut aus, bin mit mir zufrieden (wie immer). Dengeln am Morgen hat was Gutes: Man hat seine Ruhe. Man kann…

„BAAAUER!!!“ Die Bruni plärrt mir direkt ins Ohr. Ich zucke erschrocken zusammen. Die Folge: Der Hammer landet mit voller Wucht auf meinem Daumen, ich lass die Sense los und schlitz mir mit der Schneide meine gute Sonntagshose der Länge nach auf. Vor lauter Schmerz und Wut bring ich keine Silbe heraus. Die Bruni schon.

„Mei Bauer, do hast di jetzt oba gscheid bled angstellt.“ Sie inspiziert meinen Daumen. „Woah – da schiaßt ja scho s´Bluad drunta – der werd dir sicher bald abfalln!“. Ich schnappe nach Luft. „Bruni du Riesenrindviech – wos muaßt du mi denn so daschrecka – spinnst iatz ganz!“. Mein Geschrei hallt über den Hof.

„Schoos, wos is’n los?“ hör ich meine Frau schon von weitem rufen. Bei der Stimme läuft’s mir kalt über den Buckel. Meine Hose! Nicht nur einmal hatte mich meine Alte ermahnt, ich soll die schöne Hose nicht zum Arbeiten tragen. Aber der weiche Stoff ist halt sooo bequem … Schnell bring ich mich auf dem Dengelstock schräg in Positur und lege das andere Bein, das steife, über den Schnitt. Gar nicht so einfach. Damit ich nicht runterkippe, stütze ich mich nach vorne ab. Ich hocke da wie eine Adelige im Damensattel. Bruni schaut mich schief an. Mein cholerischer Ausbruch hat ihr das Wasser in die Augen getrieben.

 

 

„Wos is’n los?“ Meine Frau schaut uns fragend an.                                                                                                                                                   JS

 

FORTSETZUNG FOLGT