Mandlwind 2.0

oder

Nicht denken Dammerl -- arbeiten! 

 

Fortsetzung zu Mandlwind 1.0

„Wos is’n los?“ Meine Frau schaut uns fragend an. Sie wittert sofort, dass etwas nicht stimmt. Mein zaghaftes Lächeln vertieft ihren misstrauischen Gesichtsausdruck noch. Merke: nicht lächeln. „Da Bauer hod mi ogschrian“ japst die kleine Blonde, „dabei wollt i eam nur des sagn, wos du mir ogschofft hast Bäuerin.“ Bruni - du falsches Luder! „Ja Schoos, was schreist denn des Dirndl so o, muaß des sei?“ Leichter Vorwurf verstärkt den misstrauischen Blick. Na sauber…

„De Bruni hat mi so daschreckt und dann…“ Ich stottere wie ein Erstklässler beim Petzen. So was hab ich nicht nötig. Strategiewechsel. „Iatz sagt’s halt endlich, was es von mir wollt’s, es bläde Weiba!“ Beim Stichwort blöd kommt der Dammerl ums Eck geschlichen. Wenn man den Esel nennt...
„Habt´s es an Bauern scho gsagt?“, fragt er. Man merkt, dass es ihm eigentlich wurscht ist.

Die schaffen es immer wieder, dass ich lästig werde!
Die schaffen es immer wieder, dass ich lästig werde!

„Hätt ma scho lang – aber mit dem kann ma heid ned reden“, kommentiert meine Alte knapp. „Er ist saulästig!“, setzt die Bruni mutig nach. Die versammelte Meute scheint wohl vergessen zu haben, dass „er“ sehr wohl anwesend ist. Jetzt werde ich wirklich lästig. „Kann mir in Gotts-Namen-Dreißge endlich mal jemand song, wos los is?“, brülle ich. Wenigstens halten die zwei Ehoitn endlich ihre Pappen. „Da starke Wind heid Nacht hod alle Mandln auf’m Feld umghaut“, lautet der knappe Kommentar meines Weibes, die sich postwendend beleidigt umdreht und geht. Guad weida!

Es wär nicht das erste Mal, dass es uns die Mandln umhaut. Um Jakobi passiert das öfter. Mandlwind oder Kobisturm sagt man dazu. Wobei die Mandln vom Moa-Hof schon immer am stabilsten stehen – behaupte jedenfalls ich. Die Bruni und der Dammerl stieren mich blöd an. Wollen die jetzt eine schriftliche Einladung zum Mandl aufstellen?

Unbehagliches Schweigen. Die Bruni fasst sich ein Herz und fragt sanft: „Sollen wir die Mandln wieda aufstelln, Bauer?“ Jetzt platzt mir der Kragen. „Nein – des braucht’ s ned! Wisst’s -- heid Nacht kimmt der Wind von der anderen Seite und blost so stark und aggrat, dass sich de Mandln vo selba wieder aufstelln – was glaubt's denn ihr?“ Die kleine Blonde hat’s gefressen: Sie verdreht die Augen und sucht das Weite. Jetzt bin ich mit unserem Gescheithaferl von Großknecht allein. Prima.

 Der überlegt immer noch. Ganz staad hält er sich. Typisch. Wenn er nachdenken muss, kann er sich nicht gleichzeitig bewegen. Würd´s ihm sonst das Hirnkastl zerreißen? Wahrscheinlich. Einundzwanzig – Zweiundzwanzig – Dreiundzwanzig… Das kann dauern. 

Meine Sense hat schon mal bessere Zeiten gesehen.
Meine Sense hat schon mal bessere Zeiten gesehen.

Soll ich weiterdengeln? Plötzlich fängt er wie wild zu lachen an. Er muss sich direkt festhalten. Sooo lustig war’s jetzt auch nicht. Aber wenigstens hat er den Witz gemerkt. Das ist nicht selbstverständlich. Mit hochrotem Kopf schnappt er nach Luft und keucht nur noch „Bauer – Bauer“.

Schluss jetzt! Ich will ihn eben aufs Feld raus schicken, da bringt er einen ganzen Satz zustande: „Bauer – des mit dem Wind, des wissen unsere Nachbarn scheinbar ned. De sand so blöd und stelln de Mandln grad händisch wieda auf!“ Er klopft mir lachend auf die Schulter. Und ich? Ich würd am liebsten heulen. Gut – wenn er´s glauben möcht, dann halt anders.

„Wos sagst du, Dammerl – de Nachbarn stelln de Mandln grod auf?“ Mein ernster Ton lässt ihn stutzen. „Ja, Bauer – olle. Sogar de Haisla.“ Ich schüttle theatralisch den Kopf. „Dammerl – die Mandln vom Moa-Hof miaßnd als erst’s wieder stehen. Des wär ja no scheena, wann de Haisla schneller warn. Do loss ma uns gwiss ned oschaun.“ Jetzt muss er sich wieder ganz staad halten, damit er die drei Sätze durch sein Spatzenhirn jagen kann. Ich leg die Sense wieder auf den Stock und mach weiter.

Einige Minuten später: „Oba Bauer – da Wind… nächste Nacht!“ Er hat’s – Halleluja! Ich setze noch eins drauf: „Naa – auf den Wind kimma ned warten, Dammerl. Des huift ned. Geht’s glei olle ausse!“ Während er sich langsam schleicht, verfluch ich innerlich das Kartenspiel. An dem Abend hab ich mir den mit Abstand größten Deppen vom ganzen Sulzbachtal eingehandelt. Wer’s mir nicht glaubt, kann sich gerne selbst überzeugen.

 

Das muss auf alle Fälle besser werden bis nächstes Jahr. Weil dann die Leut’ kommen. Zu uns. Auf’n Moa Hof.

js